AT-OeStA/HHStA HausA MvM Archiv Kaiser Maximilian von Mexiko, 1818-1929 (Bestand)

Archivplan-Kontext


Angaben zur Identifikation

Signatur:AT-OeStA/HHStA HausA MvM
Titel:Archiv Kaiser Maximilian von Mexiko
Entstehungszeitraum:1818 - 1929
Stufe:Bestand

Angaben zum Kontext

Aktenbildner-/Provenienzname:Erzherzog Ferdinand Maximilian (1832-1867), später Kaiser Maximilian I. von Mexiko (reg. 1864-1867)
Verwaltungsgeschichte:Erzherzog Ferdinand Maximilian besaß auf seinem Schloss in Miramare ein wohlgeordnetes Archiv, welches nicht nur seinen Briefwechsel, sondern auch Aktenstücke, die bei ihm als Mitglied des Herrscherhauses, als Oberkommandant der Kriegsmarine und als Generalgouverneur Lombardo-Venetiens erwachsen waren, umfasste. Noch bevor Maximilian 1864 Miramare verließ, um Kaiser von Mexiko zu werden, veranlasste er die Absendung des wichtigsten Teiles dieses Archivs, darunter v. a. Privatkorrespondenzen, nach Mexiko. Unverständlicherweise scheint sich unter diesem am 14. April 1864 von Miramare abgehenden „Allerhöchsten Personal-Archiv“ nicht die sehr umfangreiche Korrespondenz befunden zu haben, die aus Maximilians Bewerbung um die mexikanische Kaiserkrone erwachsen war. Als Maximilian im Oktober 1866 die Absicht hatte, Mexiko zu verlassen, ließ er sein Privateigentum und eine beträchtliche Menge von Akten, die vornehmlich seiner Kabinettskanzlei entstammten, auf die Korvette Dandolo verfrachten, die sie nach Europa brachte. Die Angabe, dass zu dieser Zeit „das ganze Geheimarchiv“ des Kaisers in Sicherheit gebracht worden sei, ist irrig. Die aus Mexiko nach Europa geflüchteten Akten wurden nach Miramare gebracht und sind hier mit den schon in Miramare befindlichen, von Maximilian 1864 zurückgelassenen vereint und geordnet worden. Bei dieser Ordnung wurden zwei große Gruppen gebildet, das "Mexikanische Archiv" und das "Miramar-Archiv". Das Mexikanische Archiv gliedert sich in die Serien "I. Vor der Kronannahme" und "II. Nach der Kronannahme". Während in das Miramararchiv die vor Maximilians Abgang erstandenen Akten und Korrespondenzen, soweit sie nicht seine mexikanische Kandidatur betreffen, eingeteilt wurden, wurden dem mexikanischen Archiv I die auf die Kandidatur des Kaisers und seine Kronannahme bezüglichen, dem mexikanischen Archiv II die aus Mexiko fortgeschafften Akten zugewiesen.
Archivierungsgeschichte:Am 20. Mai 1868 übergab der Präfekt von Miramar, Eduard Radonetz, im Auftrag des Testamentsexekutors des Kaisers Maximilian das mexikanische Archiv und das Miramararchiv dem HHStA. Noch vor der Übergabe an dieses Archiv war ein sehr großer Teil der an den Kaiser gerichteten Schreiben von Personen, welche zur Zeit des Todes des Kaisers und zu jener der Übergabe am Leben waren, diesen zurückgestellt worden. Die Ordnung des Bestandes übernahm Wocher, der sie in voller Wahrung der ihm in Miramar gegebenen Einteilung durchführte und ein neues Zettelrepertorium anlegte, das er am 20. Februar 1869 abschließen konnte. 1881 übergab das Obersthofmeisteramt auf kaiserlichen Befehl weitere fünf Kisten aus Schloss Miramare. Leider hat Arneth auch diesen Bestand zerschlagen; auf seinen Antrag wurde alles, was den Erwerb und die Verwaltung Miramars betraf, wieder dem Obersthofmeisteramt übergeben, alles, was mit der Kriegsmarine in irgendeinem Zusammenhang stand, der Marinesektion des Kriegsministeriums ausgefolgt, der Rest in die gleichartigen Akten des mexikanischen Archivs und in das Miramararchiv eingeteilt. Im Juni 1882 empfing das HHStA vom Ministerium des Äußern einige Schriftstücke, die ihm von dem ehemaligen Vertrauten Maximilians und späteren Generalkonsul in Wien Stephan Ritter von Herzfeld übersandt worden waren. Im Jahre 1886 übergab die Witwe des kaiserlichen mexikanischen Präfekten von Miramar Eduard Radonetz das in seinem Nachlass gewesene Präfektursarchiv der Jahre 1864—1867 dem Obersthofmeisteramt, welches es dem HHStA übereignete, wo es dem Archiv Maximilians einverleibt wurde. 1906 übergab Franz Freiherr von Kaska, Apotheker in Mexiko, dem in dieser Stadt residierenden österreichischen Gesandten Karl Freiherrn von Giskra mit der Bitte, sie Kaiser Franz Joseph zu unterbreiten, etwa 3000—4000 Archivalien, die aus dem kaiserlichen Kabinett stammten, mit der Zeit beginnend, da der Kaiser seinen bisherigen Hofkaplan Pater Augustin Fischer zu seinem Kabinettschef ernannte. Einen kleinen Verlust erfuhr das Archiv Maximilians durch die in Durchführung des Archivübereinkommens vom 6. April 1922 (BGBl. 1924, Nr. 159) an Italien am 9. April 1925 erfolgte Auslieferung von Geschäftsstücken des lombardo-venetianischen Generalgouvernements. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bestand ausgelagert und wurde hierbeit in Unordnung gebracht. Teilweise kam es hier auch zu Verlusten. In den Jahren 2023-2025 wurde der Bestand neu geordnet.

Angaben zu Inhalt und Struktur

Inhalt:Es muss betont werden, dass der Quellenwert der Akten sich nicht auf Mexiko und die amerikanischen Staaten allein beschränkt, sondern sich durch die Gesandtschafts- und Konsulatsberichte auch auf Europa, namentlich Österreich, Belgien, England und Frankreich, erstreckt.
Bewertung und Kassation:Dauerhaft aufzubewahren.

Angaben zur Benutzung

Zugangsbestimmungen:Der Bestand ist gemäß Bundesarchivgesetz (BGBl. I/162/1999) in Zusammenhang mit der Benutzerordnung des Österreichischen Staatsarchivs in der jeweils gültigen Fassung zugänglich.
Sprache:Deutsch, Französisch, Italienisch, Spanisch
Englisch
Findhilfsmittel:Datenbank, Archivbehelfe X/9, X/9/2/1, X/9/2/2, X/9/3

Angaben zu verwandtem Material

Veröffentlichungen:Egon César Conte Corti, Maximilian und Charlotte von México. Nach dem bisher unveröffentlichten Geheimarchiv des Kaisers Maximilian und sonstige unbekannte Quellen. 2
Bände (Wien 1924).
Fritz von Reinöhl: Das habsburg-lothringische Familienarchiv, in: Ludwig Bittner (Hrsg.): Gesamtinventar des Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchivs. Aufgebaut auf der Geschichte des Archivs und seiner Bestände. 2. Band (Wien 1937), S. 44–48.
Brigitte Hamann, Mit Kaiser Max in Mexiko. Aus dem Tagebuch des Fürsten Carl Khevenhüller 1864-1867 (Wien 1983)
Laura Ruaro Losert (Hg.), Massimiliano. Rilettura di un Esistenza. Kongreßbericht, Triest 4.-63.1987 (Triest 1987)
Johann Lubienski, Der maximilianeische Staat. Mexiko 1861-1867. Verfassung, Verwaltung und Ideengeschichte (Wien u.a. 1988)
Konrad Ratz, Maximilian in Querétaro. Der Untergang des Zeiten mexikanischen Kaiserreiches (Graz 1991)
Konrad Ratz, Maximilian und Juárez. Das Kaiserreich und die Republik. 2 Bände (Wien 1998)
Konrad Ratz (Hg.), Kampf um Mexiko. Kaiser Maximilian von Mexiko in den Erinnerungen seines
Privatsekretärs J. L. Blasio (Wien 1999)
Konrad Ratz, „Vor Sehnsucht nach dir vergehend“. Der private Briefwechsel zwischen Maximilian von Mexiko und seiner Frau Charlotte (Wien 2000).
lsebill Barta (Hg.), Maximilian von Mexiko. Der Traum vom Herrschen (Wien 2013).
David Pruonto, Das Mexikanische Kaiserreich. Ein französisches Kolonialabenteuer? (Herausforderungen. Historisch - politische Analysen 25, Bochum 2016).
Thomas Just, Das potemkinsche Kaiserreich. Maximilian von Mexiko und sein Archiv, in: Rainer Maaß/Rouven Pons (Hg.), Fürstliche Korrespondenzen des 19. und 20. Jahrhunderts (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 95, Marburg 2024), S. 171-187.
Website:Website des Harry Ransom Center mit dem Findbehelf zu dort verwahrten drei Kartons Korrespondenz zwischen Maximilian und seiner Frau Charlotte

Weitere Bemerkungen

Bemerkungen:In diesem Bestand fehlen zahlreiche der in den Archivbehelfen beschriebenen Konvolute.
 

Verwandte Verzeichnungseinheiten

Verwandte Verzeichnungseinheiten:siehe auch:
AT-OeStA/HHStA SB NL Binzer Binzer, Emilie: Nachlass, 1833-1896 (Bestand)

siehe auch:
AT-OeStA/HHStA MdÄ AR F14-16-11 Hausarchiv Erwerbung 11: Abtretung des im kaiserlichen Schloss Miramar befindlichen Archivs Kaiser Maximilians von Mexiko an das Haus-, Hof- und Staatsarchiv, 1881-1882 (Akt (Sammelakt, Grundzl., Konvolut, Dossier, File))

siehe auch:
AT-OeStA/HHStA HausA Varia aus der Kabinettsregistratur 1-12 Briefe von Kaiser Franz Joseph an seinen Bruder Erzherzog Ferdinand Maximilian, 1848-1859 (Akt (Sammelakt, Grundzl., Konvolut, Dossier, File))
 

Benutzung

Schutzfristende:31.12.1959
Erforderliche Bewilligung:Keine
Physische Benützbarkeit:Uneingeschränkt
Zugänglichkeit:Öffentlich
 

URL für diese Verz.-Einheit

URL:https://archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=901
 

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